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Altersvorsorge

Wie Sie eine betriebliche Altersvorsorge kündigen können

Die betriebliche Altersvorsorge bietet Arbeitnehmern die Möglichkeit, lohnsteuer- und sozialabgabenfrei eine Zusatzrente aufzubauen. Arbeitnehmer geraten trotzdem hin und wieder in die Situation, in der sie überlegen, die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen. Auf Finanzberater.net erfahren, welche Möglichkeiten Sie dazu haben!

betriebliche Altersvorsorge kündigen

Wenn Sie eine betriebliche Altersvorsorge kündigen oder beim Ausscheiden aus dem Berufsleben in Anspruch nehmen, sind die unverfallbaren Ansprüche mit der Entnahme der Ansparsumme abgegolten. © Finanzberater.net

Die betriebliche Altersvorsorge ist die zweite Säule der Altersabsicherung und ergänzt die erste Säule der gesetzlichen Rentenversicherung sowie die private Vorsorge, als dritte Säule. Der Arbeitnehmer hat seit 2002 einen gesetzlichen Anspruch auf sie. In eine betriebliche Altersvorsorge kann jeder Arbeitnehmer bis zu 4.300 Euro im Jahr steuerfrei einzahlen, was 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rente entspricht. Auch der Arbeitgeber kann damit pro Arbeitnehmer bis zu 520 Euro an Sozialausgaben sparen. Allerdings werden dem Arbeitnehmer die Beiträge auch vom Bruttogehalt abgezogen. Die Beiträge der gesetzlichen Rentenversicherung fallen damit geringer aus, weshalb sich bei einem eher geringen Gehalt kaum finanzielle Vorteile für Sie ergeben. Lassen Sie deshalb erst einmal Ihre gesetzlichen Beiträge und die betriebliche Altersvorsorge berechnen, bevor Sie kündigen.

Rechtliche Vorgaben, um eine betriebliche Altersvorsorge zu kündigen

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben für die betriebliche Altersvorsorge sind die Versicherungen in der Regel unverfallbar. Das heißt, die Versicherungen können nicht einfach gekündigt und die Anlageersparnisse entnommen werden. Zu unterscheiden sind bei Arbeitgeber finanzierten Versicherungen folgende Regelungen:

  • Der Anspruch ist unverfallbar, wenn das Arbeitsverhältnis nach Vollendung des 30. Lebensjahres endet und die Zusage zu diesem Zeitpunkt mindestens 5 Jahre bestanden hat.
  • Weiterhin ist der Anspruch unverfallbar, wenn die Zusage 10 Jahre lang bestand und der Arbeitnehmer das 35. Lebensjahr vollendet hat.
  • Ebenfalls ist der Anspruch unverfallbar, wenn die Zusage 3 Jahre bestand, der Arbeitnehmer seit 12 Jahren dem Betrieb zugehört und er das 35. Lebensjahr vollendet hat.

Handelt es sich bei der betrieblichen Altersvorsorge um einen arbeitgeberfinanzierten Vertrag, können Sie ihn nur kündigen, wenn der Arbeitgeber die Versicherungsnehmereigenschaften auf Sie überträgt. Dazu unterschreibt der Arbeitgeber eine Verzichtserklärung zur betrieblichen Altersvorsorge. Handelt es sich um eine Entgeltumwandlung, bei der Sie einen Eigenanteil in die Versicherung einzahlen, wäre eine Kündigung jederzeit möglich. Diese Möglichkeit bringt jedoch auch wegen der Rückkaufswertproblematik der betrieblichen Altersvorsorge weite Nachteile mit sich.

Betriebliche Altersvorsorge kündigen und auf Ansparsumme verzichten

Falls Sie Ihre betriebliche Altersvorsorge kündigen, verlieren Sie die gesamte Ansparsumme. Denn die Beiträge wurden, obwohl sie Gehaltsanteile sind, weder mit Lohnsteuer noch mit Sozialabgaben belastet. Wird der Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge also zum Rückkaufswert vor dem 60. Lebensjahr gekündigt, müssen Sie die gesamten eingesparten Steuern und Sozialabgaben auf die Beitragssumme nachreichen. Manchmal übersteigen diese Nachforderungen sogar die vorhandene Ansparsumme, sodass im Falle einer Kündigung kein Restkapital ausgezahlt wird, sondern Sie im Gegenteil noch Abgaben nachzahlen müssen.

Vor der Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge sollten Sie deshalb die Alternativen von einem Finanzberater durchrechnen lassen. Er berät Sie, ob es neben der Möglichkeit Ihre betriebliche Altersvorsorge zu kündigen, noch andere gibt, wie beispielsweise die Beitragsfreistellung für einen definierten Zeitraum. Auf unserem Fachportal können Sie kostenlos und unverbindlich Kontakte zu Finanzberatern aus Ihrer Region aufnehmen. Außerdem haben Sie als Arbeitnehmer trotzdem Ansprüche auf Ihre Rente nach Ablaufzeit der Vertragslaufzeit, obwohl keine Beiträge oder nur in unregelmäßigen Abständen eingezahlt wurden.

Betriebliche Altersvorsorge nicht kündigen, sondern mitnehmen

Bei einem Arbeitsplatz-Wechsel ist es nicht notwendig, den Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge zu kündigen. Es besteht die Möglichkeit, die bisherigen Einzahlungen stattdessen mitzunehmen. Zwar ist der neue Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, den bestehenden Vertrag zu übernehmen, aber das Sparkapital kann in eine neue betriebliche Altersvorsorge mitgenommen werden. Bei der betrieblichen Altersvorsorge ergeben sich im Vergleich der Produkte, aufgrund ihres Versicherungscharakters bei einem freien Versicherungsträger oder firmeneigenen Produkten, verschiedene Mitnahmemöglichkeiten. Zur betrieblichen Altersvorsorge hat der Arbeitgeber grundsätzlich folgende Durchführungsmöglichkeiten:

  • Direktversicherung: Beiträge der Arbeitnehmer werden vom Arbeitgeber in eine Versicherung eingezahlt.
  • Direktzusage: Aus Pensionsrückstellungen eines Unternehmens zahlt der Arbeitgeber bei Eintritt des Versorgungsfalles unmittelbar Versorgungsleistungen.
  • Pensionskasse: Die Beiträge der Arbeitnehmer werden bei Versicherungsvereinen oder Aktiengesellschaften eingezahlt.
  • Pensionsfonds: Ähnlich wie bei den Pensionskassen werden die Beiträge der Arbeitnehmer in Versicherungsvereinen oder Aktiengesellschaften eingezahlt und investiert; hier aber an Fonds gebunden.
  • Unterstützungskasse: Diese Kasse ist eine rechtlich eigenständige Versorgungseinrichtung, die jeweils von einem oder mehreren Unternehmen getragen wird. Sie übernimmt das Rentenmanagement des Arbeitgebers und kann relativ frei über die Geldanlage verfügen.

Bei Direktversicherungen erfolgt die Mitnahme in der Regel in Absprache mit dem neuen Arbeitgeber ohne Probleme, bei Pensionskassen und -fonds können Mitnahmegebühren anfallen. Unterstützungskassen und Direktzusagen bieten keine Übernahme an, da es dabei um Firmen gebundene Betriebsversicherungen handelt.

Fazit

Eine betriebliche Altersvorsorge ist eine notwendige Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung. Kündigen Sie sie deshalb nicht leichtfertig; im Falle eines Arbeitsplatzwechsels ergibt sich die Möglichkeit der Mitnahme. Eine Stilllegung der Zusatzversicherung ist kostengünstiger als die endgültige Kündigung und Auflösung des Vertrages. Falls Sie sich doch entschließen sollten, Ihre betriebliche Altersvorsorge zu kündigen, müssen Sie dazu die Fristen der sogenannten Unverfallbarkeit beachten, sonst ist eine Kündigung ohnehin nicht möglich.